Auch die Stuttgarter Zeitung zeigte Interesse…

Das hätte ich nicht gedacht! Meiner ersten Fotoausstellung, die im Rahmen der Veranstaltungsreihe „KALIMERA DEUTSCHLAND – 50 Jahre Deutsch-Griechisches Anwerbeabkommen“ in ca. vier Monaten entstanden ist, hat die Stuttgarter Zeitung in der Wochenendbeilage „Brücke zur Welt“ am 27.03.2010 eine komplette Seite gewidmet. Anbei der Text und der komplette Artikel als PDF zum downloaden.

Der eigenen Kultur auf der Spur

Lebengeschichte: Vor fünfzig Jahren wurde das deutsch-griechische Anwerbeabkommen unterzeichnet. Der Fotograf Nikolaos Radis,selbst Sohn von Migranten, porträtiert die erste, zweite, dritte und vierte Generation eingewanderter Griechen.

Er sei, scherzte der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster dieser Tage, gewissermaßen Bürgermeister einer griechischen Kleinstadt: 16 000 Griechen leben allein in der Landeshauptstadt. Genau genommen ist sie samt Region drum herum eine Hochburg deutscher Hellenen. Nirgendwo sonst in Europa gibt es so viele Einwanderer griechischer Herkunft.

Am 25.04.2010 in der Wochenendbeilage der Stuttgarter Zeitung erschienen.

Und nirgendwo sonst in der Bundesrepublik wird mit einem derart vielfältigen Festprogramm des fünfzigsten Jahrestags des deutsch-griechischen Anwerbeabkommens gedacht. Die Anteilnahme ist groß. Anna Koktsidou, Sprecherin der Stuttgarter Bürgerinitiative Kalimera-Deutschland, die das Veranstaltungsprogramm angestoßen hat, sagt: „Den Leuten ist es wichtig, ihre Geschichte zu erzählen.“
Einer, der diese Geschichten erzählt, ist Nikolaos Radis. Der 32-Jährige arbeitet als Mediengestalter bei der Agentur Communication Consultants. Der griechischen Einwanderungsgeschichte widmet er nun seine erste große Ausstellungsarbeit als Fotograf. Es ist zugleich die Geschichte seiner eigenen Familie: Radis’ Vater kam 1962 in Deutschland an, im Gepäck ein bisschen Wäsche, Brot und ein paar gekochte Eier. Vom Bahnsteig weg wurde er von seinem neuen Chef gleich zum Arbeitsplatz gebracht. Der Sohn, zweite Generation also, tauchte mit derKamera tief in die griechische Community in Stuttgart ein – und stellt fest: „Die Menschen, die ich getroffen habe, sind zum großen Teil zufrieden mit ihrer Entscheidung. Sehr viele haben sich bedankt. Der Anfang war für sie nicht immer einfach, aber sie haben ihr Schicksal gemeistert.“
Über vierzig Porträts hat der Fotograf angefertigt: Sie alle zeigenMenschen mit griechischem Migrationshintergrund, der jüngste ist gerade einmal ein Tag alt, die älteste über achtzig. Mit jedem Bild verknüpfen sich Lebenserfahrungen. Die Rentnerin Maria Lanaridou, die rechts auf dem großen Foto zu sehen ist, kam 1965 nach Deutschland – aus Istanbul, wo damals noch viel mehr Griechen als heute leben. „In der Nähe von Stuttgart habe ich aus dem Zug heraus Glockenläuten gehört. Da habe ich mich wohl- und sicher gefühlt“, erinnert sie sich an ihre Ankunft. Die erste, die zweite, die dritte Generation – sie spricht über Bild und Text zum Betrachter: Da ist der Wirt vom Korntaler Wirtschäftle, bei dem Deutsche und Griechen ihr Bier trinken; da ist der Bauingenieur, dessen gemischtnationale Familie sich ganz selbstverständlich stuttgarterisch fühlt; da ist der dreijährige Steppke, der stolz seine beiden EU-Pässe, den deutschen und den griechischen, in die Kamera hält; da ist der Fußballfan, der Halt in der griechischen Community findet, und da ist der Unfallchirurg, der sich in Deutschland ebenso heimisch fühlt wie in der griechischen Kultur – und beides braucht. Dieses Gefühl kennt auch Nikolaos Radis. Der Fotograf, dessen Bilder bis zum 30. April im Europahaus in der Stuttgarter Nadlerstraße 4 zu sehen sind, sagt: „Die Seele ist griechisch, der Kopf denkt deutsch.“
th